Gebäudemanagement entwickelt Leitfaden für Nachhaltiges Bauen

Fest definierte Nachhaltigkeitsstandards gelten bei allen Neu-, Um- und Erweiterungsbauten

Das Gebäudemanagement der Stadt (GMMG) hat einen Leitfaden für Nachhaltiges Bauen erstellt, um mit baulichen Nachhaltigkeitsstandards für städtische Immobilien einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Standards sollen künftig bei allen Neu-, Um- und Erweiterungsbauten sowie bei Sanierungs- und Bauunterhaltungsmaßnahmen gelten. Die Umsetzung erfolgt in zwei Phasen. Nach einer Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen die Nachhaltigkeitsstandards kurz- bis mittelfristig bei ersten Einzelvorhaben zum Einsatz kommen. Hat sich der Prozess etabliert, soll der Leitfaden langfristig bei allen Bauvorhaben angewendet werden. Gefördert werden sollen menschen- und umweltfreundliche Bauweisen. "Wir wollen uns als Exzellenzregion für nachhaltiges Bauen positionieren. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen, insofern ist dieser Leitfaden und der damit verbundene Kriterienkatalog der erste Schritt, wie wir das Thema Nachhaltigkeit langfristig in städtischen Gebäuden und Liegenschaften umsetzen wollen", erklärt Stadtdirektor und Technischer Beigeordneter Dr. Gregor Bonin.

Der Leitfaden orientiert sich am öffentlich geförderten INTERREG-V-Projekt "Healthy Building Network". Mönchengladbach ist Projektpartner des grenzübergreifenden Netzwerkes, das ein Bewusstsein für gesundes Bauen entwickeln will und bereits vorhandenes Wissen im Hinblick auf eine intelligente Kreislaufwirtschaft nutzt und zugänglich macht. Grundlage dieses zukunftsorientierten Ansatzes ist das "Cradle-to-cradle"-Prinzip. Geht es um Klimaschutz, ökologische Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, kann dieses Prinzip dazu beitragen, nicht nur Abfälle zu reduzieren, sondern gänzlich zu vermeiden. Eine gute Ökobilanz macht nicht die Verringerung von Schadstoff-Emissionen aus, sondern sie müssen gezielt wiederverwertet werden können - beispielsweise als Brennstoff. Eine moderne Gebäudetechnik schont Ressourcen, ist ökologisch und schafft ein gesundes Raumklima. "Produkte und Produktionsprozesse müssen so konzipiert sein, dass sie nicht nur weniger schädlich, sondern vielmehr nützlich für Mensch und Natur sind", erklärte Prof. Dr. Michael Braungart, ein Entwickler des "Cradle-to-cradle-Konzeptes", im September, als er in Mönchengladbach für sein Umweltengagement mit der Goldenen Blume von Rheydt ausgezeichnet wurde.

Nachhaltiges Bauen spielt auch beim Rathaus der Zukunft mg+ eine entscheidende Rolle. Der Siegerentwurf des Düsseldorfer Büros sop Architekten begeistert mit seinem "Cradle-to-cradle"-Ansatz: Der Glaskubus mit integrierter Photovoltaikanlage auf dem Dach übernimmt klimatechnisch zugleich die Funktion der "grünen Lunge" für den Gesamtkomplex. Ein "Wasserkreislaufteich" auf dem nördlichen Vorplatz mit Pflanzenkläranlage, Turbinenlüfter auf dem Dach und die Nutzung von Geothermie sind nur einige Merkmale des ökologischen Konzeptes der erweiterten Nachhaltigkeit im Sinne des Cradle-to cradle-Prinzips. Passiver Sonnenschutz durch Fassadenbegrünung, Dachbegrünungen und natürliche Belüftungen ergänzen das Konzept, das zu einem gesunden Raumklima beitragen soll. Insgesamt prägt ein Grünnetzwerk aus öffentlichen Flächen und bepflanzten Höfen den dreigliedrigen Komplex, der im Untergeschoss unter anderem auch ein Parkhaus für Fahrräder mit E-Ladestationen vorsieht.

Für das Gebäudemanagement der Stadt ist diese Neuausrichtung ein Paradigmenwechsel, stand bis jetzt doch ausschließlich die Wirtschaftlichkeit im Fokus. "Ehrlicherweise muss man aufgrund der Umweltperspektive kurz- und mittelfristig auch mit höheren Investitionen rechnen. Das sind zweifelsohne Mehrkosten, die sich aber langfristig rechnen, da die Folgekosten während der Betriebsphase niedriger sind. Wir investieren also in unsere Zukunft", fasst Bonin zusammen. Der umfangreiche Kriterienkatalog umfasst unter anderem CO2-Emissionen, Inhaltsstoffe von Bauprodukten, die Verwendung von nachhaltigen Materialien sowie Lebenszykluskosten, Raumluftqualität und eine vorhandene Mobilitätsinfrastruktur. "Aber auch die Minimierung des Energieverbrauchs für den Gebäudebetrieb, die Nutzung von erneuerbaren Energien auf vorhandenen Flachdachkonstruktionen und der Einsatz von Holz als nachwachsender Rohstoff sind Teil dieses Kriterienkataloges", fügt GMMG-Betriebsleiter Stefan Greß hinzu.