Filmisches Totengebet und Geistergeschichte zu den jüdischen Kulturtagen

Video-Installationen des New Yorker Künstlers Karl Nussbaum im Museum Schloss Rheydt

 

Ein persönliches filmisches Kaddish, das auf eine Thora projiziert wird, und eine audiovisuelle Geistergeschichte, die Joseph Goebbels seinen sechs toten Kindern "erzählt", hat der New Yorker Filmkünstler Karl Nussbaum auf Einladung des städtischen Kulturbüro Mönchengladbach für das Museum Schloss Rheydt realisiert.

Im Rahmen der jüdischen Kulturtage Rhein/Ruhr werden beide Arbeiten erstmals am Donnerstag, 4. April, ab 19:30 Uhr gezeigt. Um 21 Uhr führt Kulturbüroleiter Dr. Thomas Hoeps ein Gespräch mit dem Künstler.

Karl Nussbaums Familie stammte aus Rheydt und wurde zwischen 1942 und 1944 deportiert und ermordet. Allein seinem Vater und seiner Tante gelang die Flucht. Mehr oder minder durch einen Zufall ergab sich 2013 ein Kontakt zwischen dem in New York als Filmprofessor tätigen Nussbaum und dem Kulturbüro Mönchengladbach. Nach einer beeindruckenden Aufführung seiner Videoperformance "The Hilbert Space" 2015 kehrte er bereits 2016 mit der Uraufführung seiner eigens für Mönchengladbach produzierten Videoperformance "8.504 Days" nach Mönchengladbach zurück.

Auch sein nunmehr drittes Projekt ist eine Uraufführung, die im engen Zusammenhang mit dem Ort und der Geschichte des Museum Schloss Rheydt und der seiner Familie steht.

"Phantamasgoria 1945" ist eine aufwändige Projektion mittels einer Art moderner Laterna Magica, die im Kellergewölbe des Schlosses aufgeführt wird. Normalerweise wird in diesem Raum die Geschichte der Übereignung des Schlosses als Gästehaus für Joseph Goebbels dokumentiert. In dieser experimentellen Filmarbeit führt Nussbaum antisemitische Zerrbilder, dunkle mystische Märchenszenen, Propagandafilmmaterial von Goebbels' Kindern und auch aktuelle Verweise auf die heutige Bedeutung medialer Manipulation zusammen und schafft so eine lange nachwirkende Geschichte über die furchtbare Verbindung von politischem Kalkül und irrationalem Fanatismus.

"Reunited" heißt Nussbaums persönliches filmisches Totengebet für seine Familie. Es wird in der stadtgeschichtlichen Sammlung auf die vor einigen Jahren auf einem Dachboden wiedergefundene Thora projiziert. Höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei um jene Thora, die vor der Zerstörung der aus der von Nussbaums Familie besuchten Synagoge in Rheydt gerettet wurde. Um das Projekt von Nussbaum, dessen Werke zum Beispiel beim Sundance Film Festival, den internationalen Filmfestivals in Rotterdam, London und Hamburg, im Smithsonian's Museum Washington und mehreren Kunstmuseen gezeigt wurden, zu ermöglichen, erhielt das Kulturbüro eine Förderung durch das das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW. Kooperationspartner ist das Museum Schloss Rheydt.

Der Eintritt am 4. April ist frei. Die beiden Installationen sind danach bis zum 5. Mai im Museum zu den normalen Öffnungszeiten zu besichtigen.