Die letzte Fahrt der Straßenbahn

Am 15. März 1969 also vor 50 Jahren ist die letzte Straßenbahn in Mönchengladbach gefahren. Von Holt aus ging es das letzte Mal über die rund 11 Kilometer lange Strecke nach Lürrip. Wie Zeitungsberichten von diesem Tag zu entnehmen ist, gab es sogar eine richtige, wenn auch nicht ganz so ernst gemeinte Trauerfeier. Drei Triebwagen mit einem Anhänger fuhren mit schwarzem Trauerflor behangen. Zahlreiche Menschen säumten dabei den Weg, um ein letztes Mal die Straßenbahn in Aktion fotografieren zu können. Musik spielte und eine Miniatureisenbahn wurde sogar feierlich verbrannt. Busverkehr sollte nun verstärkt zum Einsatz kommen und so verkehrten auf den meisten Linien schon bei der letzten Fahrt der Straßenbahn Omnibusse in Mönchengladbach.

Die ersten Bahnen kamen im Jahr 1881 in Mönchengladbach zum Einsatz. Damals wurden sie aber noch mit echten Pferdestärken betrieben. Die erste elektrische Straßenbahn fuhr zwischen den Stationen M.Gladbach-Badeanstalt (Lüpertzender Straße/Ecke Berliner Platz) und Mülfort. Für die Strecke benötigte sie 20 Minuten. Eine Fahrt kostete dabei, je nach Länge der Strecke zehn bis 20 Pfennig.

"Nachdem die behördliche Genehmigung zur Inbetriebnahme der elektrischen Straßenbahn vom Bahnhof Mülfort bis zur Bade-Anstalt in M.Gladbach erteilt ist, wird am 15. diesen Monats der elektrische Betrieb auf der vorerwähnten Strecke aufgenommen", so machten die damaligen Oberbürgermeister von Mönchengladbach und Rheydt, Dr. Groos und Dr. Strauß, in der Ausgabe der Rheydter Zeitung vom 14. Februar 1900 bekannt. Dies war die Geburtsstunde "der Elektrischen" in unserer Stadt, die nach und nach die Pferdebahn, die es seit 1881 hier gab, ersetzte.

Der spätere Nachfolger Oberbürgermeister Wilhelm Wachtendonk verabschiedete sich laut der Rheinischen Post vom 17. März 1969 von der Straßenbahn rund siebzig Jahre später mit den Worten: "Mit einem weinenden und einem lachenden Auge nehmen wir Abschied. Die gute alte Straßenbahn ist einem lieb und wert gewesen, doch könne man sich dem Fortschritt nun einmal nicht verschließen."