Die Goldene Blume für Prof. Dr. Michael Braungart

Der älteste deutsche Umweltschutzpreis, die Goldene Blume von Rheydt, geht in diesem Jahr an den deutschen Chemiker Professor Doktor Michael Braungart. Er erhält die hohe Auszeichnung für seinen Einsatz im Bereich der Ökologie und Nachhaltigkeit besonders für seine Forschung und Leistung im Rahmen des "Cradle-to-Cradle"-Prinzips. Dabei geht es darum, alle Materialien als Nährstoffe in geschlossenen Kreisläufen zu halten. Wer intelligent produziert, so dass Abfälle voll und ganz als Nährstoffe wiederverwertet können, arbeitet laut Braungart ökoeffektiv. Den Begriff der Ökoeffektivität hat der Chemiker gemeinsam mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough geprägt. Bei einer Feierstunde im Theater Mönchengladbach zeichnete Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners gemeinsam mit Dr. Karl Hans Arnold, Vorsitzender des Direktoriums "Kuratorium für die Verleihung der Goldenen Blume von Rheydt e.V., Braungart für sein Engagement aus.

 Der 27. Preisträger der Goldenen Blume von Rheydt machte der Stadt in seiner Dankesrede gleich ein Angebot: In den nächsten 12 Monaten steht Braungart ehrenamtlich zur Verfügung, um Mönchengladbach auf dem Weg zur „Cradle-to-Cradle“-Großstadt zu begleiten. „Sie als Stadt können ein Vorreiter für Cradle to Cradle sein“, so Braungart. Der geplante Rathaus-Neubau in Mönchengladbach soll nach diesem Prinzip errichtet werden. Die Vitusstadt ist darüber hinaus im grenzüberschreitenden „Healthy Building Network“ (HBN) aktiv. Das Innovationsnetzwerk ist eine Wissensplattform, die auf gesundes Bauen spezialisiert ist und mit einer Kreislaufwirtschaft eine effiziente Nutzung von Rohstoffen möglich machen soll. Ein Vorreiter ist die Gemeinde Venlo, die ihr neues Rathaus nach dem „Cradle-to-Cradle“-Prinzip errichtet hat. Venlos Bürgermeister Antoin Scholten war als Gast ebenfalls dabei.

Geht es um Klimaschutz, ökologische Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, kann das Kreislaufprinzip dazu beitragen, nicht nur Abfälle zu reduzieren, sondern gänzlich zu vermeiden. „Hierzulande hält sich der Ansatz, dass man die Umwelt schützt, wenn man möglichst wenig zerstört. Also: Weniger Auto fahren oder weniger Wasser zu verbrauchen. Aber weniger schlecht ist nicht gut“, so Braungart. Als Beispiel führt er das Recyclingsystem in Deutschland an. „Mit Recycling gewinnen wir nur einen Teil des verarbeiteten Materials zurück. Wir müssen aber dafür sorgen, dass alle Bestandteile eines Produktes endlos und ohne Qualitätseinbuße wiederverwertet können“, so der Preisträger. Ein anderes Beispiel ist der Benzinverbrauch bei Autos. Eine gute Ökobilanz macht nicht die Verringerung von Schadstoff-Emissionen aus, sondern dass sie gezielt wiederverwertet werden können – beispielsweise als Brennstoff. Produkte und Produktionsprozesse müssen so konzipiert sein, dass sie nicht nur weniger schädlich, sondern vielmehr nützlich für Mensch und Natur sind. Braungart nennt Beispiele aus dem Tierreich. „Es gibt wesentlich mehr Ameisen als Menschen auf der Welt, aber sie produzieren keinen Abfall. Alles wird wiederverwertet“, so Braungart und macht damit deutlich, dass nicht die Überbevölkerung die Ursache für Ressourcenknappheit und Klimawandel ist. „Wir müssen einfach nur intelligenter produzieren.“
Nach dem Studium der Chemie und Verfahrenstechnik u.a. in Konstanz und an der TU Darmstadt promovierte Braungart 1985 am Fachbereich Chemie der Universität Hannover. Parallel wirkte er seit 1982 beim Aufbau des Bereichs Chemie von Greenpeace Deutschland mit, den er von 1985 bis 1988 leitete. 1987 gründete Braungart das EPEA-Institut. Mit dem US-amerikanischen Architekten und Designer William McDonough ist er ebenfalls Gründer der Design- und Entwicklungsfirma McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville (Virginia). Braungart ist Professor für Cradle to Cradle-Design, Ökodesign und Ökoeffektivität an der Leuphana Universität Lüneburg. Von 2009 bis 2017 hatte er an der Erasmus Universität in Rotterdam den Lehrstuhl für Cradle to Cradle inne. Er hat außerdem eine Gastprofessur an der University of Virginia angenommen. Zudem ist er Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts (HUI). Seit 1994 referiert und publiziert Braungart zu den Themen Realisierung zukunftstauglicher "intelligenter Produkte", Entwicklung und Umsetzung von Umweltschutzkonzepten, umweltverträgliche Produktionsverfahren sowie zu Ökobilanzen komplexer Gebrauchsgüter.

Braungart ist der 27. Preisträger der Goldenen Blumen von Rheydt. Der Umweltpreis wurde seit 1967 insgesamt 26 Mal verliehen, zuletzt 2017 an Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg (Insel Mainau). Der undotierte Preis besteht aus einer vergoldeten stilisierten Dahlie in Medaillenform an seinem Band in den Stadtfarben Gelb und Rot.