Die Börse der guten Geschäfte

Über 90 Unternehmen und soziale Organisationen „handelten“ beim 4. Mönchengladbacher Marktplatz

Mönchengladbach. „Gladbach gewinnt“: Unter diesem Motto haben mehr als 90 Unternehmen und gemeinnützige Organisationen beim 4. Mönchengladbacher Engagement-Marktplatz der Katholischen Liga gemeinsame Projekte vereinbart. Nur eines war bei der „Börse der guten Geschäfte“ wieder tabu: Geld.

Uschi Schneider von der Initiative „Teilbar“ hat ein Problem: „Unser Internetzugang ist viel zu langsam“, sagt die ehrenamtlich Engagierte, die sich als braune Bio-Mülltonne verkleidet hat. Michael Benten, Geschäftsführer des IT-Systemhauses Megabit, hat einen Wunsch: „Wir haben Platz auf dem Firmengelände und suchen jemanden, der uns dort einen Baum pflanzt“, erzählt er. Jetzt haben die beiden eine Vereinbarung: Megabit kümmert sich um das behäbige Internet, Teilbar wird im Gegenzug einen Baum organisieren und pflanzen. „Wir retten Dinge vor der Vernichtung, die andere noch brauchen können“, erklärt Uschi Schneider, „beispielsweise Kleidung, Spielzeug oder Lebensmittel“. Der Baum für Megabit kommt vielleicht aus einem Gartencenter und würde sonst wohl weggeworfen, weil er ein wenig angeschlagen und so nicht verkäuflich ist. „Wir päppeln ihn dann auf – dann sieht er richtig gut aus“, erläutert Schneider.

Die Vereinbarung zwischen Teilbar und Megabit ist eines von vielen „guten Geschäften“, die rund 200 Vertreter von sozialen Organisationen und Unternehmen an diesem Nachmittag im TIG – Theater im Gründunghaus miteinander aushandeln. Sie tauschen gegenseitige Leistungen, Engagement-Ansätze, Sachmittel und Ideen – alles absolut unentgeltlich. Mit einem kräftigen Gongschlag hat Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners das bunte, wuselige Marktplatz-Treiben eröffnet. „Eine Stadt lebt davon, dass sich Menschen engagieren“, sagt Reiners und fügt hinzu: „Gladbach gewinnt – das gilt nicht nur, wenn Borussia spielt.“

Das sehen Antonia Gielgens und Petra Grosser sicher genauso. Sie sind Erzieherinnen in der Kita Butterblume e.V. und haben für ihre 31 Mädchen und Jungen gerade einen tollen Ausflug vereinbart: Es geht zu einer Rallye durch den Tiergarten in Odenkirchen. Drei Auszubildende der Stadt Mönchengladbach werden die Aktion organisieren. Als Gegenleistung werden Janine Mora, Lena Schröder und Friederike Rahn leckere Plätzchen von der Kita erhalten. All das wird mit Hilfe von „Maklern“ schriftlich festgehalten.

Angehende Abiturienten der Bischöflichen Marienschule haben für ihre Mitschüler einen Fahrrad-Reparaturkurs erhandelt – das passt prima zum Schulprojekt „Fahr Rad“. Im Gegenzug wird der Schulchor auftreten. Die Bewohner des Caritaszentrums Rheydt werden demnächst mit Hilfe des Internets an Orte ihrer Kindheit „zurückreisen“. Lars Zachowski von der Agentur Phosphon wird den Senioren so einen „Tag voller Erinnerungen“ ermöglichen und dafür „Oma Heidis selbst gebackenen Kuchen“ bekommen. „Gladbach gewinnt ist ein spannendes Format“, sagt er.

Nach der 90-minütigen Handelszeit verkündet Projektleiterin Regina Roick das Ergebnis des 4. Mönchengladbacher Marktplatzes: 115 Vereinbarungen sind geschlossen worden, dahinter stehen 1197 Sachleistungen und 1466 Zeitstunden. Eine großartige Bilanz, freut sich Frank Polixa, Geschäftsführer des Caritasverbandes Region Mönchengladbach und Sprecher der Katholischen Liga: „Mönchengladbach kann sich auf die Schulter klopfen. Es ist toll, wie viele engagierten Menschen heute zusammengekommen sind.“ In zwei Jahren dürfte die Katholische Liga, der Zusammenschluss von zehn sozialen Organisationen, ihre „Kontaktbörse für gesellschaftliches Engagement“ erneut veranstalten.