„Dialogorientierte Erarbeitung eines städtebaulichen Rahmenplanes für das Hochschulquartier in Mönchengladbach (Rahmenplan Hochschulquartier)“

Freihändige Vergabe nach öffentlichem Teilnahmewettbewerb

Hintergrund

Die Hochschule Niederrhein ist ein Zusammenschluss verschiedener Bildungsinstitutionen in den Städten Mönchengladbach und Krefeld. Sie wurde offiziell im Jahr 1971 gegründet. Seither befindet sich der Standort der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach zwischen den beiden Zentren Gladbach und Rheydt. Dort sind die Fachbereiche Oecotrophologie, Sozialwesen, Textil- und Bekleidungswesen sowie Wirtschaftswissenschaften untergebracht.

Im Hinblick auf den Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft und den damit verbundenen Anforderungen an Bildungseinrichtungen und ihr räumliches Umfeld verfügt die Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach prinzipiell über einen idealen Standort, um ihre Rolle als wichtiger Stadtbaustein zu erfüllen. So handelt es sich um einen historisch gewachsenen Bildungsort, der, anders als peripher geplante Hochschulstandorte in Stadtrandlage, in eine städtische Struktur eingebettet ist. Diese Struktur ist in diesem Fall eine ganz besondere, da es sich um die Nahtstelle zwischen den beiden ehemals eigenständigen Zentren Gladbach und Rheydt handelt. Zudem liegt die Hochschule inmitten eines Freiraumkorridors zwischen dem unmittelbar westlich angrenzenden Dahler Stadtpark und dem Schloss Rheydt im Osten.

Generell bevorzugen Hochschulen ein solch urbanes Umfeld im Sinne von Nutzungsmischung, sozialer Nähe und einem attraktiven Wohn- und Lebensumfeld, das die Generierung von Wissen und Innovationen fördert sowie kreative Menschen anzieht. In dem Maße, in dem Hochschulen dabei Anforderungen an die städtische Struktur stellen, profitieren Städte von ihnen. Hochschulen stehen nicht mehr alleine nur für die Studierenden zur Verfügung, sondern öffnen sich zunehmend für weite Teile der Gesellschaft. Es entsteht wirtschaftliches Wachstum sowohl durch Nachfrageeffekte von Studierenden und Beschäftigten als auch durch neue Unternehmen, die sich bevorzugt in Hochschulstädten ansiedeln. Nicht zuletzt haben Hochschulen Einfluss auf das Image einer Stadt.

Derzeit sorgen jedoch viele Mängel dafür, dass der Standort der Hochschule in Mönchengladbach sein vorhandenes, hohes Potential nicht nutzen kann und folglich auch nicht die gewünschte Funktion als Bindeglied zwischen Gladbach und Rheydt erfüllen kann. So wird die Hochschule im städtischen Gefüge kaum wahrgenommen. Es gibt kein einheitliches Erscheinungsbild oder ein Alleinstellungsmerkmal, das auf die Hochschule aufmerksam macht. Die einzelnen - architektonisch unterschiedlichen und teilweise denkmalgeschützten - Gebäudekomplexe sind durch den Straßenraum, der durch ruhenden Verkehr dominiert wird, voneinander getrennt und stehen in keinem Bezug zueinander. Die vorhandenen Freiräume bieten keine hohe Aufenthaltsqualität. Insgesamt stellt sich der Bereich nicht als klassischer Campus mit studentischem Flair dar.

Auf Grund der skizzierten Problemlage beauftragte die Politik die Verwaltung im Juni 2015, Maßnahmen in Bezug auf die stadtgestalterische und verkehrliche Situation sowie zur verbesserten Wahrnehmung und städtebaulichen Integration der Hochschule zu entwickeln. Da die Einbindung der Hochschule unerlässlich für die Aufwertung des Standortes ist, wurde im Dezember 2017 ein Letter of Intent zwischen Stadt und Hochschule geschlossen. Dadurch soll eine intensive Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen beiden Akteuren bei der Umsetzung gemeinsamer Ziele und Maßnahmen im Hinblick auf die Hochschul- und Stadtentwicklung gewährleistet werden. Dazu gehört gleichermaßen auch die Einbeziehung der Studierenden.

In übergeordneten, gesamtstädtischen Strategien und Konzepten wird die notwendige Qualifizierung des Stadtbausteins Hochschule bereits thematisiert. Dazu gehört sowohl der Masterplan MG3.0 als auch die im Jahr 2016 politisch beschlossene Stadtentwicklungsstrategie mg+ Wachsende Stadt. Die Strategie soll ein gesamtstädtisches Wachstum in Qualität gewährleisten und definiert hierfür vier Handlungsbereiche: 1. Wohn- und Lebensverhältnisse, 2. Umwelt, 3. Wirtschaft und 4. „weiche Standortfaktoren“ (Kultur, Sport, Wissenschaft, Bildung und Infrastruktur). Durch die Umsetzung konkreter Projekte sollen Verbesserungen in den vier Handlungsbereichen erreicht werden. Ein entsprechender Strategieplan visualisiert die Entwicklungsschwerpunkte in Form von Entwicklungsachsen und konkret verorteten Projekten.

Sowohl im Masterplan MG3.0 als auch in der Stadtentwicklungsstrategie mg+ Wachsende Stadt wird die Entwicklung einer Hochschulachse als eine von drei, das Stadtgebiet in Ost-West-Richtung querenden, städtebaulich-freiraumplanerischen Entwicklungsachsen definiert. Die Hochschulachse ist die mittlere dieser drei Achsen. Ausgehend von Schloss Rheydt im Osten der Stadt setzt sie sich über den Standort der Hochschule Niederrhein und den Stadtpark Dahl in Richtung Knippertzbach im Westen fort. Innerhalb der Achse steht die Entwicklung des Hochschulstandortes als konkretes Projekt im Fokus. In einem nächsten Schritt soll daher sowohl eine Konkretisierung bereits bestehender als auch die Entwicklung neuer Ideen zum zukünftigen Erscheinungsbild des Standortes in Form eines Rahmenplanes Hochschulquartier erfolgen.

Plangebiet

Das eigentliche Plangebiet soll als engeren Betrachtungsraum das Gebiet zwischen der Hofstraße im Norden, der Breite Straße im Süden, der Schwalmstraße im Osten und der Bahntrasse Mönchengladbach-Rheydt sowie dem angrenzenden Stadtpark Dahl im Westen umfassen. Das so abgegrenzte Gebiet hat eine Fläche von ca. 62 ha. Mit den beiden in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptverkehrsachsen Rheydter Straße (B 59 bzw. B 230) und Theodor-Heuss-Straße bzw. Gartenstraße durchqueren zwei wichtige, die beiden Zentren Gladbach und Rheydt verbindende Verkehrsachsen, das Plangebiet. Parallel zur Rheydter Straße verläuft zudem eine Bahntrasse. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wird derzeit die Umsetzung eines neuen S-Bahn-Haltepunktes Hochschule geprüft.

Die Abgrenzung gewährleistet, dass nicht nur der eigentliche Hochschulstandort, sondern auch die angrenzenden Bereiche rund um die Kirche St. Josef, das Monforts Quartier - ehemals Standort einer Textilmaschinenfabrik - und das Areal des Polizeipräsidiums, das mit dem Umzug der Polizei in einen Neubau in Neuwerk bis Ende 2018 leergezogen wird, in die Betrachtungen eingeschlossen werden. Unter Berücksichtigung von derzeit bereits ablaufenden baulichen Veränderungen wie z. B. Bau der Textilakademie an der Kreuzung Rheydter Straße / Breite Straße und weiteren Entwicklungspotentialen im engeren Betrachtungsraum, wie z. B. Nachnutzung des Parkplatzes an der Rheydter Straße, bietet sich so die Möglichkeit, ein umfassendes Konzept zur Aufwertung und Integration des Stand-ortes und zur funktionalen Verknüpfung der Hochschule mit der unmittelbaren Umgebung zu erstellen.

Aufgabenstellung

Mit der Erarbeitung des Rahmenplanes Hochschulquartier soll ein externes Büro beauftragt werden. In dem Rahmenplan sollen ein Leitbild sowie Ziele zur Entwicklung des Quartiers definiert und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen und Maßnahmen aufgezeigt werden. Aus städtischer Sicht sind insbesondere die Handlungsfelder Stadtgestaltung, Mobilität und Bildungslandschaft (Kooperationen, hochschulaffine Nutzungen) zu bearbeiten. Dabei sind in den einzelnen Handlungsfeldern u. a. die folgenden Aspekte einzubeziehen:

Handlungsfeld Stadtgestaltung:

  • Wahrnehmung der Hochschule: Leitsystem, Licht, Gestaltung von Eingängen und Zufahrten, Kunst im öffentlichen Raum
  • Campusring (Hofstraße, Rheydter Straße, Breite Straße, Theodor-Heuss-Straße oder Südstraße)
  • Campusallee / Campusplatz im Bereich der Richard-Wagner-Straße
  • Campusboulevard an der Webschulstraße mit Aufenthaltsqualitäten und optischer Hervorhebung
  • Campusparks auf dem Gelände der Hochschule
  • Grün- und Fußwegeverbindungen, insbesondere zwischen den Hochschulgebäuden
  • Grünachse zwischen Dahl und Schloss Rheydt über das Hochschulgelände mit linearen und flächigen Elementen
  • Aufwertung vorhandener Grünflächen und Freiräume

Handlungsfeld Mobilität:

  • Campusallee, Campusplatz, Campusring und Campusboulevard (s. a. Handlungsfeld Stadtgestaltung)
  • Grün- und Fußwegeverbindungen (s. a. Handlungsfeld Stadtgestaltung)
  • Ordnung und Steuerung des ruhenden Verkehrs 
  • Querung der Güterbahntrasse
  • Theodor-Heuss-Straße: Querungsmöglichkeiten und Gestaltung
  • Verbindung von Rheydt und Gladbach, insbesondere Radverkehr (Blaue Route)
  • S-Bahn-Haltepunkt

Handlungsfeld Bildungslandschaft:

  • Aufenthaltsmöglichkeiten als informelle Lernorte 
  • Bestehende Erweiterungs- bzw. Umbaupläne der Hochschule Niederrhein
  • Kooperation lokaler Bildungseinrichtungen (Kindertagesstätten, Schulen und Volkshochschule) mit der Hochschule
  • Entwicklung eines Forschungsareals
  • Studentenwohnungen
  • Hochschulaffine Nutzungen wie z. B. Gastronomie, Flächen für Kreative, Dienstleistungen

Neben einer ausführlichen Bestandsaufnahme und -analyse, die die Stärken und Schwächen des Quartiers identifiziert, ist die Durchführung einer prozessbegleitenden und dialogorientierten Beteiligung ein wichtiger Baustein bei der Erarbeitung des Rahmenplanes. Es ist ein breit angelegter Beteiligungsprozess mit relevanten Akteuren (u. a. Verantwortliche und Studierende der Hochschule Niederrhein) sowie Bürgern, insbesondere den Anwohnern, vorgesehen. Dadurch soll eine transparente, zukunfts- und tragfähige Konzeption geschaffen werden, die die Entwicklung des Quartiers vorbereitet und begleitet. Daher werden neben fachlichen Kenntnissen insbesondere in den Bereichen Stadtgestaltung und Verkehr auch moderative und vor allem kommunikative Fähigkeiten seitens des Auftragnehmers erwartet.

Verfahren

Geplant ist eine freihändige Vergabe nach öffentlichem Teilnahmewettbewerb. Das Verfahren ist zweistufig:

Stufe 1: Bewerbungsphase, Einreichung des Bewerberbogens und Prüfung der Eignung, Auswahl der drei bis maximal fünf besten Bewerber nach Punktzahl

Stufe 2: Aufforderung der ausgewählten Bewerber zur Abgabe eines Angebotes, Wertung der Angebote, ggf. Verhandlungstermine mit Präsentation des Angebotes, Zuschlag

Angebotsbestandteile

Das Angebot besteht aus dem ausgefüllten Leistungsverzeichnis sowie einer schriftlichen Kurzkonzeption über Umsetzungs- bzw. Lösungsansätze für den Auftrag. In diesem Konzept ist die Herangehensweise zur Umsetzung der Leistungsbausteine über den Bearbeitungszeitraum vom Bieter detailliert darzustellen. Dies beinhaltet auch eine Darstellung des für die jeweiligen Bausteine einkalkulierten Arbeitsaufwandes (Stunden und Stundensätze). Das Konzept soll bezogen auf das geforderte Leistungsprofil die Idee, Strategie, Struktur und den Mehrwert der Konzeption des Rahmenplanes Hochschulquartier für die Stadt Mönchengladbach nachvollziehbar erläutern.

Zuschlagskriterien

  • Qualität des Durchführungskonzeptes und ggf. der Präsentation: 60 %
  • Wirtschaftlichkeit des Angebotes (Preis): 40 %

Hinweise zum Verfahren

Der Auftraggeber behält sich vor, den Auftrag auf der Grundlage der Erstangebote zu vergeben, ohne in Verhandlungen einzutreten.

Termine

Eingang der Teilnahmeanträge: 03.05.2018, 11:45 Uhr
Versand Verfahrensleitbrief mit Angebotsaufforderung: vsl. Mitte / Ende Mai 2018
Frist für die Abgabe der Angebote: vsl. Ende Juni / Anfang Juli 2018
Ggf. Verhandlungs-/Präsentationstermin: vsl. Ende Juni / Anfang Juli 2018
Erteilung Auftrag: vsl. August 2018

Prüfung der Eignung

Interessierte Bieter werden gebeten, der Vergabestelle mit ihrem Teilnahmeantrag folgende Unterlagen zur Bewertung der Eignung in einem Bewerberbogen vorzulegen:

Persönliche Lage des Bewerbers:

  1. Nachweis der Berufszulassung oder andere vergleichbare Nachweise der beruflichen Befähigung des Bewerbers auf dem Gebiet der zu erbringenden Leistung (ggf. Anerkennung der Berufsqualifikation nach der Richtlinie 2005/36/EG beifügen)
  2. Eigenerklärung, dass keine Ausschlussgründe nach § 6 EG VOL/A vorliegen

Wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit:

  1. Nachweis einer ausreichenden Berufshaftpflichtversicherung (mind. 1.500.000 € für Personenschäden und 500.000 € für sonstige Schäden)
  2. Unbedenklichkeitsbescheinigung des zuständigen Finanzamtes
  3. Erklärung über den Gesamtumsatz des Bewerbers in den letzten drei Jahren
  4. Angaben zu wirtschaftlichen Verknüpfungen mit anderen Unternehmen

Technische Leistungsfähigkeit:

Der Auftragnehmer hat den Nachweis seiner Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Erfahrung und Zuverlässigkeit darzulegen. Es sind folgende Angaben vorzulegen:

  1. Kurzprofil des Bewerbers mit Angaben zur Qualifikation und Berufserfahrung, zur Arbeitsweise und zur strategisch-fachlichen Ausrichtung.
  2. Darstellung der Erfahrungen mit Kommunen > 100.000 Einwohner (Großstadt) als Kunden, insb. mit der Erarbeitung von interdisziplinär ausgerichteten städtebaulichen Rahmenplänen, vorzugsweise im Umfeld von Bildungseinrichtungen / Hochschulen
  3. Referenzliste über die Erarbeitung von vergleichbaren Rahmenplänen in den letzten fünf Jahren. Diese sind näher zu beschreiben mit Angaben zur Art und Umfang der Aufgaben, Auftragsvolumen, Komplexität der Aufgabenstellung, Vorgehensweise, Beteiligungsverfahren etc.
  4. Benennung des verantwortlichen Projektleiters mit beruflicher Qualifikation, besondere Befähigungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der zu erbringenden Leistung sowie Jahren der einschlägigen Berufserfahrung. Bei Einsatz eines Teams gilt dies für alle Teammitglieder.
  5. Angabe, ob und ggf. auf welche Art und Weise auf den Auftrag bezogen mit anderen Unternehmen kooperiert werden soll (unter Benennung der betroffenen Leistungsinhalte und dem Anteil in %).

Weitere Anforderungen:

Durch den Bieter sind die personellen und technischen Voraussetzungen für die geforderten Leistungen im Umfang der Leistungsbeschreibung über die Dauer des Projektes sicherzustellen. Die Bearbeitung des Rahmenplanes soll im 3. Quartal 2018 beginnen und im 2. Quartal 2019 abgeschlossen werden.

Inhaltlichfachliche Auskunft erteilt:

Stadt Mönchengladbach
Fachbereich Stadtentwicklung und Planung
Abteilung Bebauungsplanung und Stadtgestaltung
Frau Fischer
Telefon: 02161-25-8598
ina.fischer@moenchengladbach.de