Der Mythos Bökelberg erwacht zum Leben

Es wird vielen Schlössern nachgesagt oder auch Häusern, dass sie ihr Eigenleben haben. Dass irgendetwas den Ort ausmacht, was sich nicht greifen und auch nicht so richtig fassen lässt. Aber ein Stadion? Für Karlheinz Wiegmann, dem Leiter des Museums Schloss Rheydt, ist das beim Bökelberg definitiv der Fall und es ist ihm ein Leichtes zu erklären, warum es sich nicht um eine einfache Sportstätte, sondern um einen Mythos handelt, den Mythos Bökelberg: "Beim Bökelberg ist nichts, wie es zu sein scheint und alles anders als man denkt. Was schon damit anfängt, dass es keinen Berg gibt." Und so beschreibt Wiegmann, wie eigentlich schon im Jahr 1914 die Borussia aus einer Kiesgrube ein Fußballfeld machen wollte. Doch der Erste Weltkrieg kam dazwischen. Und so kam es, dass die offizielle Eröffnung in den Herbst 1919 fiel.

Das wiederum sorgt dafür, dass in diesem Jahr ein Jubiläum gefeiert werden kann: 100 Jahre Bökelberg! Und ganz speziell dazu zeigt das Museum Schloss Rheydt seit Sonntag (3. November) eine Ausstellung rund um das ehemalige Stadion, um den "Mythos Bökelberg".

Doch zurück zur Sache mit dem Berg, den es gar nicht gibt: Der "Bökel", eine leichte Anhöhe, findet sich erst ein paar hundert Meter weiter in Richtung Innenstadt. Dort, wo bis heute die Kaiser-Friedrich-Halle zu finden ist. Weil es sich bei dem Ort, an dem der Fußballplatz entstand, eigentlich um eine Kiesgrube gehandelt hat, wurde der Platz auch von den Gladbachern "De Kull" genannt. Dabei trug er eigentlich den offiziellen Namen "Westdeutsches Stadion". Doch wie kam es nun zu dem Namen "Bölkelberg"? "Ende der sechziger Jahre als Borussia fußballerischen Aufwind bekam, hat sich ein Journalist gedacht, dass De Kull doch ein etwas schnöder Name für ein Stadion für einen solchen Verein sei und er ist dann, wahrscheinlich bei dem Gedanken auch an andere Stadien, wie dem Betzenberg, auf den Namen Bökelberg gekommen", erklärt Wiegmann.

Die Liste der Geschichten in Bezug auf den Bökelberg, die einen zum erstaunten Kopfschütteln und zu dem Wunsch, immer mehr hören zu wollen, führen, könnte vermutlich ganze Bücher füllen. Und sie führt dazu, dass die Ausstellung keine Konkurrenz zum Museum der Borussia darstellt, sondern viel mehr eine tolle Ergänzung, wie sie der Beigeordnete Dr. Gert Fischer beschreibt: "Hier in der Ausstellung im Museum Schloss Rheydt geht es nicht um die Chronologie des Vereins, nicht um die reinen Siege und Niederlagen. Von den Anfängen bis zu dem Tag, als er abgerissen werden sollte, hat sich der Bökelberg gewehrt, einfach nur ein beliebiges Fußballstadion zu sein. Genau das kann man hier erfahren."

Dafür nutzt das Museum Schloss Rheydt nicht nur Ausstellungsobjekte vom Originalstein bis hin zur Originalsitzbank. Auch eine extra für die Ausstellung entwickelte kostenlose App sorgt dafür, dass diese Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes lebendig werden. Richtet man sein Smartphone mit der Kamera an bestimmten Punkten auf ein Bild, so erscheint ein Sportreporter, der genau diese Geschichten erzählt.

Die Ausstellung, die in Kooperation mit Borussia VfL 1900 Mönchengladbach e. V. entstanden ist, wird bis zum 19. April im Museum Schloss Rheydt zu sehen sein. Sie ist außerdem Teil des Themenjahres "Neuland" des Museumnetzwerkes Rhein Maas, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Und sie wird gefördert durch die Otto von Bylandt-Gesellschaft.