Das Museum Abteiberg 2020

Drei größere Ausstellungen präsentiert das Museum Abteiberg im kommenden Jahr. Noch bis Mitte Februar ist Libertine der Künstlerin Jutta Koether zu sehen. Sie realisiert im Museum Abteiberg eine Ausstellung, die in die Malereigeschichte eindringt. Ausgangspunkt ihres Konzepts ist der Gemäldekomplex Tour de Madame, den sie im vergangenen Jahr in ihren Werk-Retrospektiven in München und Luxemburg als jüngste Arbeit präsentierte. Ursprünglich eine Antwort auf Cy Twomblys Lepanto-Zyklus im Museum Brandhorst installiert Koether diese Serie nochmals neu und entwickelt sie - montiert auf gläsernen Wänden - zu einem Denk- und Drehmoment für die Sammlung des Museums Abteiberg.

Mitte März folgt dann die Künstlerin Andrea Browers. Politisches Engagement und künstlerische Arbeit sind für die US-Amerikanerin nicht zu trennen. Seit über zwei Jahrzehnten steht sie für eine künstlerische Position, die eine durchdachte ästhetische Praxis mit einer politischen Haltung und einer feministischen Perspektive verbindet. Ziviler Widerstand und dessen Übersetzung in eine künstlerische Sprache finden sich in ihrem Schaffen in einer gekonnten Balance. Im Museum Abteiberg wird Andrea Bowers bedeutende Arbeiten der vergangenen Jahre zeigen und den Museumsraum für ein Projekt öffnen, das sie zurzeit, angeregt durch junge AktivistInnen der aktuellen ökologischen und feministischen Bewegungen im Rheinland, entwickelt.

Ende September folgt dann Hiwa K. Er betrachtet seit seinen künstlerischen Anfängen seine Position als kurdischer Exilant und Intellektueller in der Gegenwart. In vielen Arbeiten problematisierte er die Fremdheit zwischen sich und dem Publikum sowie die Unvermittelbarkeit von existentiellen Fragen und die Ferne zwischen Menschen, die in unterschiedlichen Kulturkreisen aufwuchsen. Seine Medien sind Film, Raumarbeiten und Performance. Er ist bildender Künstler, Filmemacher und Musiker. 
Hiwa K plant für das Museum Abteiberg eine Ausstellung, die sein Projekt "Raw Materiality" vorstellt. Es ist eine Langzeitstudie, die ihn seit 2007 beschäftigt, eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Iraks als Ort und Material anderer Mächte ("raw material"). In einer formalen Übernahme dieser historischen Konstante will Hiwa K sein filmisches Rohmaterial anderen zum Schnitt, zur Auswahl und Interpretation überlassen.

Besondere Möglichkeiten diese Ausstellungen zu sehen bieten unter anderem die MG-Artfriends und der "Erste Sonntag" des Museums Abteiberg. Die MG_Artfriends richten sich an junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren, die sich mit ihrer Neugier auf Kunst und Kultur im Museumsverein organisieren möchten. Inspiriert von aktuellen Ausstellungen und Kunstprojekten gestalten die jungen Freunde des Museums Abteiberg an den "Dritten Donnerstagen" des Monats ein variationsreiches Veranstaltungsprogramm im Museum und tauschen sich in lockerer Runde am Jour fixe aus. Dank der kontinuierlichen Förderung durch die Stadtsparkasse Mönchengladbach wird das Programm "Erster Sonntag" im Museum Abteiberg mit freiem Eintritt, offenen Führungen und offener Malklasse an den ersten Sonntagen aller Monate auch im Jahr 2020 fortgesetzt.

Das Museum Abteiberg ist außerdem Ankerpunkt der "Neuen Auftraggeber" im Rheinland. Die Initiative Neue Auftraggeber plant für die kommenden Jahre Projekte für den öffentlichen Raum, die durch die Bedürfnisse und Wünsche von Bürgern bestimmt werden. Die Vernetzungsarbeit der Mediatorin Kathrin Jentjens führt voraussichtlich im Jahr 2020 zu ersten Projektideen. (www.neueauftraggeber.eu)

Aber auch hinter den Kulissen passiert einiges:

Am 29. Juni 2018 wurden Sammlung und Archiv von Erik und Dorothee Andersch an das Museum Abteiberg übergeben. Der Ankauf wurde mithilfe der großzügigen Förderung durch die Kulturstiftung der Länder, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW und die Hans Fries-Stiftung realisiert. Damit ging eine der weltweit renommierten und umfassendsten Sammlungen von Fluxus-Kunst und benachbarten künstlerischen Bewegungen der 1960er und 70er Jahre in die Sammlung des Museums Abteiberg ein, große Objektgruppen sowie Materialien, Dokumente, Bücher und eine Vielzahl an Korrespondenzen und Autographen von Künstlerinnen und Künstlern. Das Museum Abteiberg befasst sich seither mit der Inventarisierung, Digitalisierung sowie der wissenschaftlichen Aufbereitung und Erforschung der vielfältigen Materialien, um künftig für die internationale Forschung zu Fluxus im Konkreten und zur Kunst der 1960er und 70er Jahre im Allgemeinen eine Anlaufstelle bieten zu können. Einzelne Objekte der Sammlung Andersch sind bereits in wechselnden Präsentationen in den Räumen des Museums Abteiberg zu sehen.

Provenienzforschung

Eine weitere wichtige Aufgabe des Museums ist die Provenienzforschung. Hierbei geht es darum die Herkunft von Kunstwerken bzw. die Vorbesitzer zu ermitteln. Eine wichtige Rolle spielt dabei, ob jeder Besitzerwechsel legal abgelaufen ist. Gerade in Deutschland im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus ist hier einiges aufzuarbeiten. 
Seit 2016 betreibt das Museum Abteiberg systematische Provenienzforschung an Objekten der Kunst vor 1945 aus dem Sammlungsbestand - realisiert mit finanzieller Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg. Das Museum verfügt über eine vergleichsweise kleine Sammlung der klassischen Moderne, deren Exponate überwiegend in den späten 1950er und 1960er Jahren erworben wurden. Dies geschah nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Verlusts der Sammlung Kaesbach, einer erstklassigen Sammlung expressionistischer Kunst, die der Stadt Mönchengladbach in den 1920er Jahren von Walter Kaesbach geschenkt worden war. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde diese Sammlung als "entartet" beschlagnahmt und ging mit Ausnahme einiger weniger Objekte verloren. Nach dem Krieg wurde versucht, diese Verluste im Rahmen der damals verfügbaren Mittel und Möglichkeiten zu ersetzen, doch die Dokumentation der Herkunft und der Art des Erwerbs aus der Zeit war in vielen Fällen lückenhaft. Gerade diese Fälle wurden systematisch untersucht. Damit setzt das Museum Abteiberg seine Auseinandersetzung mit der Sammlungsgeschichte fort. Die Forschungsergebnisse werden 2020 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert.

Ausstellungsgeschichte 1967 - 1978

2020 erscheint eine umfassende Publikation zur Ausstellungsgeschichte 1967 bis 1978 im alten Städtischen Museum an der Bismarckstraße. Die Düsseldorfer Kunsthistorikerin Susanne Rennert (gemeinsam mit Susanne Titz und Olivier Foulon Kuratorin der Ausstellung "Von da an. Räume, Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967 - 1978") erarbeitet erstmalig die archivarischen Materialien und Dokumente zur legendären Ära des Museumsdirektors Johannes Cladders. Sie versammelt neben allen Ausstellungen auch eine Darstellung der kompletten Reihe der Kassettenkataloge, die Cladders von 1967 bis 1978 produzierte.

Weitere Informationen sowie Bildmaterial gibt es auf der Webseite des Museums Abteiberg www.museum-abteiberg.de im Service/Presse-Bereich.