Bürger entscheiden, was sie brauchen

Europäisches Netzwerk „Neue Auftraggeber“ ruft zum Dialog mit den Bürgern ein/ Museum Abteiberg unterstützt als Ankerpunkt die Plattform: Informationsveranstaltung am 16. Mai, 19 Uhr, im Haus Zoar

Was wäre, wenn Bürgerinnen und Bürger zum Auftraggeber eines Kunstwerkes werden könnten? Die Schule in einem Stadtviertel, eine Nachbarschaftsinitiative nebenan, ein Bürgerverein, Einzelhändler oder Altstadtwirte? Und immer steht die Frage im Vordergrund, wie die Stadt schöner werden kann. Die in die Jahre gekommene Kunst am Bau und im öffentlichen Raum soll neuen Elan erfahren. Dafür setzt sich das europäische Netzwerk Neue Auftraggeber ein. Aus dem Privileg weniger will es eine Chance für alle machen und wird von diesem Jahr an in Kooperation mit dem Museum Abteiberg erstmals auch im Rheinland aktiv. Seit 1992 haben in dem Programm europaweit schon tausende Menschen in über 500 Projekten Verantwortung übernommen und gezeigt, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Akteur, Entscheider und Auftraggeber zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum sein kann. Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft haben gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern in ambitionierten Projekten zusammengearbeitet. Dabei sind es immer die Bürgerinnen und Bürger selbst, die ihre Anliegen und Wünsche formulieren, auf die das künstlerische Projekt antworten soll. Die Kunst verleiht diesen konkreten Vorhaben dann eine eigenständige Form. Das Besondere dabei ist, dass Künstler und Bürger, vermittelt durch eine Mediatorin oder einen Mediator, auf Augenhöhe miteinander zusammenarbeiten. Ein Dialog bestimmt, was am Ende als Werk zur Ausführung kommt.

Die Neuen Auftraggeber starten nun in Deutschland in der Flächenlandregion Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg und der Industrieregion Rheinland / Ruhrgebiet. Vor Ort unterstützen Ankerpunkte als regionale Plattformen das Projekt. Für das Rheinland konnte das Museum Abteiberg, Mönchengladbach, als Partner des Programms gewonnen werden, das die Kulturstiftung des Bundes mit insgesamt zwei Millionen Euro fördert. „Das Museum Abteiberg, das bereits seit Jahren den Dialog mit den Bürgern führt, versteht sich nicht als Elfenbeinturm, sondern als Ort für einen Diskurs über die Gegenwart, in dem die Partizipation im Vordergrund steht“, formuliert Museumsdirektorin Susanne Titz den Anspruch des Hauses. Genau auf diese Teilhabe zielen die Ideen des Vereins Neue Auftraggeber, der die Art, wie Kunst entsteht, vom Kopf auf die Füße stellt: Bürger entscheiden, was sie brauchen, und renommierte Künstler liefern ihre Ideen.

Bis 2021 werden deutschlandweit bis zu 20 Pilotprojekte entstehen und beispielhaft zeigen, wie Neue Auftraggeber als neuer Akteur der deutschen Kunst- und Kulturlandschaft die kulturelle Selbstbestimmung der Bevölkerung unterstützen und zivilgesellschaftliche Kooperation stärken kann. Bürgerschaftliche Gruppen und lokale Initiativen in den Modellregionen können sich selbst aktiv an die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber wenden. „Mönchengladbach und Rheydt sind spannende Orte, die sich in den letzten Jahren dynamisch entwickeln, die aber auch genügend Potenzial für Veränderungen bieten. Genau hier setzt das Projekt an. Wir wollen von den Bürgern erfahren, wo der Schuh drückt und wo sie sich bestimmte Veränderungen wünschen. Die Zustandsbeschreibung führt zu einem sozialen und gesellschaftspolitischen Diskurs, von dem wir anfangs noch nicht wissen, was am Ende dabei herauskommt“, beschreibt Gerrit Gohlke, Leiter Regionalentwicklung der Gesellschaft der Neuen Auftraggeber (GNA GgmbH), den offenen Prozess. „Die Bürger nehmen ihre Stadt in Besitz, wir geben den Anstoß für diesen Dialog, der zum Querdenken anregen soll“, ergänzt Kathrin Jentjens, die gemeinsam mit Esther Kilian als Kuratorin den Mönchengladbacher Dialog begleitet. Kathrin Jentjens und Gerrit Gohlke verschaffen sich bereits seit Wochen ein Bild von Mönchengladbach, führen Gespräche mit Vereinen, Institutionen, Unternehmen und Vertretern der Stadt.

Am 16. Mai stellt sich die Initiative in einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Haus Zoar (19 Uhr) den Bürgerinnen und Bürgern vor erstmalig im Rheinland der Öffentlichkeit vor, präsentieren bereits realisierte Projekte und führen in das besondere Konzept der Neuen Auftraggeber ein. Weitere Informationen unter www.neueauftraggeber.de. (pmg/sp)