50 Jahre Sammlung Etzold – Sammlungs-, Museums- und Familiengeschichte

Seit nun mehr 50 Jahren prägt die Sammlung Etzold an verschiedenen Stellen immer wieder das Museum. Am 30. September 1970 unterzeichneten Hans Joachim und Berni Etzold den Vertrag, mit dem ihre private Sammlung zeitgenössischer Kunst als Dauerleihgabe ins damalige Städtische Museum Mönchengladbach einging. In den Anfängen prägte aber auch eine Verbundenheit des Ehepaares zum früheren Museumsdirektor Johannes Cladders die Sammlung. Im Umfeld des Städtischen Museums Mönchengladbach wuchs die Sammlung Etzold so zu einem umfassenden Zeugnis privater Sammelleidenschaft und des Engagements für junge künstlerische Positionen mit über 500 Werken an.

 

Die heutige Sammlung Etzold wurde von Hans Joachim und Berni Etzold vorwiegend in den 1960er und 70er Jahren zusammengetragen. Dabei legte das Moerser Sammlerpaar einen deutlichen Schwerpunkt auf die jungen, oftmals noch nicht etablierten künstlerischen Tendenzen ihrer Zeit. Da wurde ein Kunstwerk auch schon einmal erworben, bevor es überhaupt fertig war, berichtet einer der Söhne des Ehepaares und Sprecher der Familie, Jost Etzold: „Das passierte dann auch schon einmal im Atelier. Mein Vater ließ sich erklären, was der Künstler vorhatte und entschied dann, dass er es kauft und ließ auch direkt dann die Bezahlung da.“ Eine von vielen Situationen, wo sich zeigte, dass es dem Ehepaar um deutlich mehr ging als Kunst zu erwerben. Auch die Künstlerförderung lag ihnen am Herzen. Außerdem waren verschiedenste Menschen aus dem Kunstbereich regelmäßig im Hause Etzold zu Besuch und wenn ein neuer Katalog in Haus kam, so war es fast wie Weihnachten, beschreibt Jost Etzold: „Es wurde voller Vorfreude ein bequemer Platz hergerichtet und dann der Katalog angeschaut. Dabei lag eine Stimmung im Raum wie sie sicher viele sonst an Weihnachten erleben.“

 

Diese Bestände der Sammlung umfassen heute überwiegend frühe Werke der konkreten, konstruktiven Kunst ab den 1960er Jahren. Daneben stehen umfangreiche Konvolute der Pop Art, der frühen Computergrafik sowie der Conceptual und Minimal Art.

Die Privatsammlung von Hans Joachim und Berni Etzold ist heute in der Dauerausstellung des Museums Abteiberg ständig präsent. Als Vorschau auf das 50-jährige Jubiläum der Leihgabe präsentierte das Museum zwischen 2017 und 2019 zudem die dreiteilige Ausstellungsreihe Die Zukunft der Zeichnung – Das Neue in der Sammlung Etzold, begleitet von einem umfangreichen wissenschaftlichen und pädagogischen Rahmenprogramm. Anlässlich des Jubiläumstags werden zusätzlich Gegenüberstellungen von Werken aus der Sammlung Etzold mit den Museumsbeständen der 1960er und 70er Jahre präsentiert, unter anderem von Sonia Delaunay-Terk, Roy Lichtenstein, Keith Sonnier und VertreterInnen der Op Art.

 

Auch die „Säule mit zwei Flüssigkeiten“ des Künstlers Hans Haacke gehört mit zur Sammlung und ist aktuell als Kopie sogar für die Besucher zum Anfassen da. Das Original hatte bereits der kleine Jost Etzold in der Hand: „Es ist schon seltsam: Früher kam mir die Säule viel größer vor“, berichtet er schmunzelnd. Wieder einer der Momente, an denen man spürt, in dieser Familie wurde Kunst nicht nur gesammelt, sondern gelebt.

 

Durch die Dauerleihgabe konnten schon viele weitere Menschen Kunst erleben. Und Jost Etzold hofft, dass auch die nächsten Generationen seiner Familie diesen Geist seiner Eltern weiterleben werden: „Dass es damals zu diesem Vertrag gekommen ist und auch die Zeit danach, das hat sehr viel mit gegenseitigem Vertrauen zu tun. Und das versuchen wir auch weiterzugeben.“ Genauso wie das Museum seiner Aufgaben weiter gerecht wird und die Sammlung genauso hegt und pflegt, wie es bei den eignen Werken der Fall ist sowie sie natürlich zur Vermittlung nutzt. Wie dies unter anderem am Eintrittsfreien Ersten Sonntag wieder der Fall sein wird.