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Strukturwandel koordinieren

Situationsanalyse

Mönchengladbach hat als Großstadt in den 70iger Jahren einen Strukturwandel durch den Niedergang der Textilindustrie verkraften müssen, der lange Zeit Spuren in der Entwicklung der Stadt hinterlassen hat. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Standort durch seine Lage und Verfügbarkeit von Flächen als bevorzugter Standort für die Logistikbranche entwickelt. Laut Standortanalysen bspw. der IHK ist die Ansiedelung in diesem Bereich deutlich stärker als im NRW-Durchschnitt Eine erhöhte Branchenkonzentration- ebenfalls deutlich über NRW-Durchschnitt -  tritt am Standort auch bei der Beschäftigung im Bereich Zeitarbeit auf. Diese Branchen sind eher gering in ihrer Wertschöpfung und verfügen über ein eher geringes Lohnniveau. Darüber hinaus hat die Ansiedlung der Logistikbranche eine hohe Flächeninanspruchnahme bedingt, so dass die Möglichkeiten zur Ansiedlung von Unternehmen heute stark eingeschränkt sind. Am Standort sind verschiedene mittelständische Unternehmen aus diversen Branchen wie Verkehrstechnik, Automobilzulieferung, Maschinenbau und Textilproduktion vertreten. Jedoch sind Branchen wie IT, Elektronik und Forschung und Entwicklung eher unterrepräsentiert.

Die Hochschule Niederrhein ist am Standort Mönchengladbach mit rund 8.000 Studierenden vertreten. Die Nähe zur Hochschule und entsprechendes Talent wird gemeinhin als positiver Faktor für Gründungstätigkeit gesehen (siehe NRW-Start-up Monitor 2020). In den vergangenen Jahren hat sich in Mönchengladbach zwar eine Gründungszene etabliert, die Gründungsintensität ist jedoch laut Auswertungen der IHK am Standort nach einer kurzen Hochphase wieder rückläufig.

Mit dem Beschluss der Bundesregierung zum Kohleausstieg und der damit verbundenen Dekarbonisierung sowie weitere Auswirkungen aus globalen Entwicklungen wie Digitalisierung und steigenden Anforderungen an nachhaltige Wirtschaft- und Produktionsabläufe, wird die Stadt in den kommenden Jahrzehnten einen mehrdimensionalen Strukturwandel gestalten müssen. Diese Transformationsprozesse werden wesentliche Veränderungen der Wirtschaftsstruktur am Standort mit sich bringen und auch in Gesellschaft, Bildungs- und Sozialsysteme und Stadtentwicklung hineinwirken.

Insbesondere für das "Rheinische Revier", zu dem die Kreise Düren, Euskirchen, Heinsberg, der Rhein-Erft-Kreis und der Rhein-Kreis Neuss, die Städteregion Aachen und die Stadt Mönchengladbach gehören, sollen zumindest die Auswirkungen durch den Kohleausstieg gelindert werden. Um neue, zukunftsfähige Strukturen in dieser Region zu fördern, werden verschiedene Fördermittel durch das Land und den Bund in den kommenden Jahren für die Region zur Verfügung gestellt und können beantragt werden. Das Wirtschafts- und Strukturprogramm (WSP) für das Rheinische Revier dient dabei als inhaltliche Richtschnur für die Förderaufrufe. Das Programm und die damit verbundenen Fördermittel werden auf vier sogenannte „Zukunftsfelder“ aufgeteilt: Energie und Industrie, Innovation und Bildung, Raum und Infrastruktur sowie Ressourcen und Agrobusiness. Für Mönchengladbach als nach wie vor finanzschwache Kommune bieten diese Fördermittel (Gesamtsumme für das Rheinische Revier bis 2038: 14,8 Mrd. Euro) die Chance, die Handlungsfelder der Gesamtstrategie und ihre Implementierung und Umsetzung durch geeignete Förderprojekte zu unterstützen.

Durch den Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte sind bereits Herausforderungen in der sozialen Struktur und auch in der Branchenstruktur am Standort entstanden: Die Struktur der in Mönchengladbach angesiedelten Branchen resultiert in einer unterdurchschnittlichen Produktivität am Standort bzw. zu geringer Wertschöpfung. Entsprechend liegt die Stadt Mönchengladbach mit einem erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt von 65.855 Euro je Erwerbstätigem in 2019 unter dem NRW-Durchschnitt (74.361 EUR) und auch schwächer als die Nachbarkommunen Krefeld und Viersen (74.276 / 66.026 EUR).

Der Standort verfügt über eine höhere Anzahl an Arbeitsplätzen im unteren Einkommensbereich (z.B. Lagerwirtschaft 2.355 €, Callcenter-Agent in der Regel unter 2.000 € im Monat) und weniger Arbeitsplätzen mit hohen Löhnen (z.B. Industrie ca. 4.200€, IT ca. 5.200€). Diese Entwicklung schlägt sich in einem unterdurchschnittlichen Anstieg der Bruttolöhne je Arbeitnehmer*in nieder (09-17: MG +17,9 Prozent; Bund 23,3 Prozent). Als Folge dieser Entwicklung ist Mönchengladbach im Lohn-Ranking der 399 Kreise und kreisfreien Städte in acht Jahren von Platz 135 auf 182 zurückgefallen. Das verfügbare Einkommen der Einwohner*innen entwickelt sich schwach im Vergleich (Kaufkraft MG 21.726 €, NRW 22.961 €, Deutschland 23.245 € Controllingbericht). Zudem ist die Stadt in ihrer Branchenstruktur zu wenig auf wertschöpfende Branchen ausgerichtet.

Zukunftsbranchen wie IT-Dienstleistungen sind in Mönchengladbach im Vergleich zu NRW unterdurchschnittlich angesiedelt. Im deutschlandweiten Vergleich der zukunftsrelevanten MINT-Berufen zeigt sich in Mönchengladbach eine Lücke von rund 6.000 Beschäftigten (siehe auch ff).

Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist die Anzahl der Langzeitarbeitslosen in Mönchengladbach nahezu unverändert und entwickelt sich damit gegen den bundesweiten Trend, bei dem die Anzahl seit 2009 kontinuierlich und deutlich sinkt (Bund: -28,5 Prozent; Durchschnitt der Vergleichsstädte des Monitoringberichts der Stadt Mönchengladbach: -25,2 Prozent, MG: -7,6 Prozent). Es besteht eine Sockelarbeitslosigkeit (Langzeitarbeitslose) von etwas unter 6.000 Personen.

Beim Qualifikationsniveau der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat Mönchengladbach im regionalen Vergleich 2019 den zweitniedrigsten Wert an Akademiker*innen (12,9 %), den niedrigsten Wert bei den Beschäftigten mit anerkanntem Berufsabschluss (58,9 %), der sogar unter das Niveau aller Vorjahre gefallen ist, und den höchsten Wert bei Beschäftigten ohne Berufsabschluss (15,4 %), der in den letzten Jahren darüber hinaus überdurchschnittlich angestiegen ist.

Im deutschlandweiten Vergleich der zukunftsrelevanten MINT-Berufen zeigt sich in Mönchengladbach von rund 6.000 Beschäftigten* (MG hat im Vergleichsranking* die größte Lücke, der strukturähnlichen Städte). Zudem ist der Anteil der Ausbildungsbetriebe (22,3 %) sowie die Ausbildungsquote (5,4 %) in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler (SuS), die 2019 die Schule mit Abitur verlassen liegt in Mönchengladbach mit 40,5 % über dem Landes- (39,4 %) und Bundesdurchschnitt (34,6 %) (Quelle statistisches Bundesamt). Der Anteil der SuS mit Hauptschulabschluss liegt in Mönchengladbach in 2019 bei 17,4 % (NRW 16 %, BRD 16,5 %). In beiden Betrachtungen zeigt sich eine Ausprägung am oberen und unteren Teil der schulischen Qualifikation, während in Mönchengladbach die „Mitte“, also die SuS mit mittlerem Abschluss, unterrepräsentiert ist (MG 33,3 %, NRW 38,5 %, BRD 42,2 %). Dies ist im Hinblick auf das zukünftige Fachkräftepotenzial für den regionalen Arbeitsmarkt relevant.

Mönchengladbach verliert in den nächsten 15 Jahren deutlich an erwerbsfähiger Bevölkerung durch den demografischen Wandel (- 24.448/-13,4 %, Basis 31.12.2017, Vorausberechnung 15-65-jährige Erwerbsfähige in 15 Jahren, siehe auch Auswirkungen auf den Haushalt). Der Fachkräftemangel wirkt sich in Zukunft nachteilig auf die Stadt aus; es wird zukünftig zu einem stärkeren Wettbewerb der Standorte um Fachkräfte kommen. Hierbei steht Mönchengladbach in direkter Konkurrenz zu Städten wie Aachen, Köln oder Düsseldorf. Schon heute pendelt jeder zweite Arbeitnehmer mehr als 30 min zu seinem Arbeitsplatz, bei jedem vierten sind es mehr als 45 min.

Beim Ausstieg aus der Kohleverstromung handelt es sich vordergründig um eine energiepolitische Entscheidung, deren wirtschaftliche Auswirkungen auf Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie auf die regionale Wertschöpfung mithilfe der bereitgestellten Fördermittel gemildert werden sollen. Gleichwohl ist die energiepolitische Entscheidung vor dem Hintergrund klima- und umweltpolitischer Zielsetzungen (Pariser Klimaziele) ausgelöst worden. Die Schaffung und der Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie von Wertschöpfung muss deshalb immer vor dem Hintergrund von Klima- und Nachhaltigkeitszielen erfolgen, um nicht den Kohleausstieg selbst ad absurdum zu führen. Nicht umsonst heißt es im Wirtschafts- und Strukturprogramm (Version 1.1) im ersten Satz der dort beschriebenen Vision: „Im Jahr 2038 wird das Rheinische Revier die Region in Europa sein, in der die Ziele des Europäischen Green Deal am konsequentesten umgesetzt wurden“. Der Ursprung des Strukturwandels wirkt sich an dieser Stelle auch direkt auf die Rahmenbedingungen für dessen Gestaltung aus. Konkret werden beispielsweise die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bei der Bewertung aller Projektskizzen im Rheinischen Revier angewandt. Die Komplexität des Strukturwandels im Rheinischen Revier geht darüber noch hinaus, da nicht nur umwelt- und klimapolitische Ziele die Rahmenbedingungen für den Erhalt und die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen setzen, sondern auch weitere Standortfaktoren wie das Fachkräftepotential und die Mobilität in der Region sowie deren Attraktivität auch im Sinne von Lebensqualität. Das Wirtschafts- und Strukturprogramm greift diese Komplexität in ihrem Zielsystem (lebenswerte, leistungsstarke, innovative, klimaneutrale und vernetzte Region) auf.

Beschreibung des Handlungsfelds

Die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft und der damit einhergehende Strukturwandel führt zu Veränderung, die auch Auswirkungen auf die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmer*innen und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen am Standort haben werden. Diesen Strukturwandel gilt es zu gestalten.  Insbesondere angesichts der Fördermöglichkeiten, die durch die ZRR - Zukunftsagentur Rheinisches Revier (bzw. das Strukturstärkungsgesetz) in den kommenden Jahren eröffnet werden, muss die Stadt das Thema fokussiert und koordiniert angehen. Wie im Revierpakt 2038 beschrieben, misst sich der Erfolg des Strukturwandels daran, dass es gelingt, bis 2030 hochwertige Arbeitsplätze sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für verlässliche Zukunftsperspektiven der Menschen im Rheinischen Revier und insbesondere für die rund 15.000 direkt und indirekt betroffenen Beschäftigten der Braunkohlewirtschaft sicherzustellen. Gleichzeitig sollen mit den bereitgestellten Fördermitteln Nachhaltigkeitsziele erreicht und die Attraktivität der Region (Infrastruktur, Lebensqualität) gesteigert werden. Darin ist jedoch kein Widerspruch zu sehen, da z.B. die Nachhaltigkeitsziele selbst bereits eine ökonomische Dimension und ökonomische Ziele beinhalten und die Einhaltung der verschiedenen Nachhaltigkeitsziele die Attraktivität des Standorts nicht zuletzt für Unternehmen und Hochqualifizierte steigert. Diese werden sich nämlich nicht nur einer moralischen Verantwortung bewusst, sondern denken auch zunehmend künftige regulatorische Rahmenbedingungen voraus. Deshalb sollten einerseits die Kriterien Arbeitsplätze, Aufbau zukunftsorientierter Fähigkeiten und Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur (mit dem Ziel der Steigerung der Wertschöpfung) im Fokus stehen. Dazu müssen vor allem die Potenziale der lokalen Unternehmen aktiviert werden. Andererseits soll identifiziert werden, wie weitere Prioritätsthemen der Strategie, mit denen die weiteren Standortfaktoren adressiert werden, auch in der Förderlandschaft Berücksichtigung finden können, zumal die Kommune hier häufig unmittelbare Handlungsbefugnisse hat und den Strukturwandel als Katalysator für die Zielerreichung nutzen kann.

Der Strukturwandel am Standort kann nur im Zusammenspiel der Verwaltung mit den Unternehmen, Organisationen wie der IHK, der Handwerkskammer, etc., zivilgesellschaftlichen Initiativen und Institutionen wie der Hochschule vor Ort gelingen. Daher muss eine starke Einbindung dieser Gruppen in den Strukturwandelprozess erfolgen und durch die Stabsstelle Strukturwandel koordiniert werden. Zunächst müssen viele dieser Akteure dazu umfassend und fortlaufend über den Strukturwandel und seine Bedeutung für Mönchengladbach informiert und so ihre jeweiligen Potenziale aktiviert werden. Schließlich sollte die Koordination des Strukturwandels die Maßnahmen, die im Rahmen der städtische Gesamtstrategie in den jeweiligen, relevanten Handlungsfeldern entwickelt wurden oder als Folge der Aktivierung der Zivilgesellschaft eingebracht werden, aufgreifen und zusammen mit den Fachbereichen und den städtischen Beteiligungen eine entsprechende Förderstrategie entwickeln.

Die Stabsstelle Strukturwandel bildet die Schnittstelle zu den Akteuren und Gremien der ZRR und des Zweckverbands und koordiniert die Position der Stadt zu den dort besprochenen Themen. Sie aktiviert auch die entsprechenden Akteure der Stadtgesellschaft und trägt das Thema in die relevanten Zielgruppen im Verbund mit anderen Fachbereichen. Die Stabsstelle Strukturwandel übernimmt dabei eine koordinierende Rolle, d.h. sie nutzt ihre Einblicke in das Geschehen im Rheinischen Revier sowie ihren Überblick über die Ansätze innerhalb der Stadt, um ihrerseits Impulse und Expertise (z.B. in den fördertechnischen und strategischen Zusammenhängen des Strukturwandels) in Verwaltung und Stadtgesellschaft zu geben.

Strategische Ziele

Aus der Beschreibung des Handlungsfelds werden die nachfolgenden Ziele abgeleitet. Im nächsten Schritt werden diese Ziele mit operativ, handlungsleitenden Zielen und messbaren Kennzahlen hinterlegt. Sie werden mit bestehenden Maßnahmen verbunden bzw. neue Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele mit den relevanten Fachbereichen bzw. städtischen Beteiligungen vereinbart. 

Den Strukturwandel mit Blick auf die Schwerpunktthemen Arbeitsplätze, Aufbau zukunftsorientierter Fähigkeiten und Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit am Standort so koordinieren, das bereichsübergreifend in der Stadtverwaltung / mit den Beteiligungen und mit Institutionen und Organisation der Stadtgesellschaft zielgerichtete Projekte erarbeitet werden.


Mit Blick auf die Kriterien (Arbeitsplätze, Aufbau zukunftsorientierter Fähigkeiten und Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur, Nachhaltigkeit, WSP) Förderprojekte entwickeln bzw. Impulse dazu setzen, die die relevanten Themen der städtischen Gesamtstrategie unterstützen.


Aktivierung der Stadtgesellschaft: Das Thema Strukturwandel in der Kommunikation der Stadt stärker sichtbar machen und die Kommunikation mit der Stadtgesellschaft ausbauen.

Gemeinsam Mönchengladbach gestalten

Die städtische Gesamtstrategie ist aus Analysen und Diskussionen innerhalb der Stadtverwaltung entstanden. Mit der Vorstellung in der Ratssitzung im Oktober stellen wir den Aufbau der Strategie und die Analysen und Beschreibungen der Handlungsfelder hier vor, um einen Dialogprozess mit der Politik und der Stadtgesellschaft zu starten. 

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