Die Kinder- und Jugendbuchsammlung Stephan-Kühn

Die Sammlerin

Freya Stephan-Kühn war seit Erscheinen ihres Buches "Viel Spaß mit den Römern" 1980 im Arena-Verlag, Würzburg, als Autorin auf dem Gebiet des historischen Sachbuchs für Kinder bekannt. Bei Recherchen für ihre Bücher sowie in ihrer Tätigkeit als Historikerin und Geschichtslehrerin entdeckte sie in der historischen Kinder- und Jugendliteratur eine bisher kaum genutzte Gattung von Quellen vor allem im Bereich der Mentalitätsgeschichte.

Die Sammlung

Unter diesem Aspekt und angeregt durch die von ihr mitgegründete und geleitete Rheinische Kinderbuchgesellschaft wurden seit ca. 1988 durch Käufe auf Flohmärkten und in Antiquariaten in Deutschland und zahlreichen europäischen Ländern bis Ende 1999 gut 8000 Bände zusammengetragen.
Zeitlicher Schwerpunkt der Sammlung sind das 19. Jahrhundert und die Zeit bis 1969. Das Datum erscheint auf den ersten Blick willkürlich, wird aber verständlich, wenn man weiß, dass dieses das Geburtsjahr der Tochter der Sammlerin war. In den letzten Jahren ist aber diese Grenze zunehmend in den Hintergrund getreten, sodass die Sammlung heute in manchen Titeln bis nahe an die Gegenwart reicht.
Inhaltlich begann die Sammlung als Mädchenbuchsammlung. Wenn man es genau nimmt, hatte sie ihren Ursprung in der Suche nach dem Band Nesthäkchen im Weltkrieg, weil die als kleines Kind mit ihrer Familie aus Ostpreußen vertriebene Sammlerin sich daran erinnern konnte, wie verwundert sie nach der Lektüre scheinbar aller Bände der Reihe war, als eine Mitschülerin ihr dieses Werk aus der Vorkriegszeit auslieh. Mädchenbücher (mit Ausnahme von Pferdebüchern), auch in der Form von Mädchenjahrbüchern, bilden auch heute noch einen besonderen Schwerpunkt. In diesem Zusammenhang sind auch eine größere Zahl von Werken zu nennen, welche sich mit Handarbeiten und anderen als spezifisch weiblich angesehenen Tätigkeiten beschäftigen. Karl May ist dagegen gar nicht, andere ausgeprägte Jungenliteratur wenig vertreten. Dies gilt auch für Jungenjahrbücher. Neben der Mädchenliteratur haben sich im Laufe der Jahre weitere Schwerpunkte herausgebildet, so die Jugendliteratur des Nationalsozialismus, insbesondere unter dem Aspekt der Kontinuität und des Bruchs mit der Weimarer Zeit sowie mit der Nachkriegsgeschichte. Auch die "proletarische" Kinder- und Jugendbuchproduktion vor 1933 und nach 1945 in der DDR und anderen sozialistischen Ländern wurde aufgenommen, ferner alles, was über die Mentalität der Bundesrepublik der 50er und 60er Jahre Aufschluss versprach. Gezielt gesucht wurde auch nach Texten, welche Material für die Entwicklung von Vorstellungen der Political Correctness boten. Kinderklassiker sowie Jugendbücher, die sich mit der Antike beschäftigen, wurden zu weiteren mit einer gewissen Konsequenz verfolgten Sammelgebieten, von Johanna Spyri und den zahlreichen "Heidiaden" ganz zu schweigen. Stand zunächst grundsätzlich der Text im Mittelpunkt, führte die Entdeckung einer ergiebigen historischen Dimension in den Illustrationen zu einer entsprechenden Erweiterung der Seh- und Kaufgewohnheiten. Schließlich entwickelte sich auch ein gewisses Rettungsethos, das es nicht zuließ, dass schöne Bücher in Flohmarktkästen verrotteten. In dem Maße, wie ästhetische Kategorien zum Einkaufskriterium wurden, entwickelte sich auch der Bilderbuchteil der Sammlung zu einem repräsentativen Querschnitt für die zweite Hälfte des 19. und das 20. Jahrhundert. Weitere Sammelkriterien ergaben sich aus dem Wunsche repräsentative Werkübersichten bestimmter Autor(inn)en und Verlage - z. B. nordrhein-westfälischer Verlage der Nachkriegsjahre - zu erhalten.
Wiewohl der größte Teil der Titel deutschsprachig ist, hat die Sammlung internationalen Charakter. Sie enthält neben anderen Sprachen (vom Armenischen bis zum Japanischen) zahlreiche italienische, niederländische, französische und besonders englische Titel. (Auf Wunsch können entsprechende Sonderkataloge zusammengestellt werden.).

Der Katalog

Der Katalog ist (auch bei Bilderbüchern) nach Verfassernamen, bei mehreren Titeln eines Autors oder bei nicht zu ermittelndem Autor nach dem ersten Hauptwort im Titel (deutsche Titel) bzw. nach dem ersten Nicht-Artikel im Titel (fremdsprachige Literatur) sortiert. Abweichend hiervon sind Reihen nach der entsprechenden Bandzahl eingeordnet. Im jetzigen Zustand des Katalogs, der über ein Jahrzehnt immer wieder neuen Bedürfnissen angepasst wurde, kann für stringente Konsequenz nicht garantiert werden. Hieran wird bei den zweimal im Jahr vorgesehenen Updates ebenso gearbeitet werden wie an der Elimination zahlreicher Tippfehler sowie an einer Ergänzung der Spalte "Annotations". Die Datierung erfolgt so weit wie möglich über die Verlagsangaben im Buch. Wo dies nicht möglich ist, wurden Bibliographien, insbesondere die von Aiga Klotz, konsultiert. Auf diese Weise ermittelte Datierungen stehen in eckigen Klammern. Wo Hilfskriterien wie Widmungen herangezogen wurden, ist dies vermerkt. Die Angabe "ca." besagt, dass die zeitliche Zuordnung geschätzt wurde. Jahrbücher, die meist zu Weihnachten des Vorjahres erschienen, sind gleichwohl für das Jahr eingeordnet, das im Titel angegeben ist. Die verwendeten Abkürzungen dürften für sich selbst sprechen. "Verlag" ist grundsätzlich als "v/V" abgekürzt, "TB" steht für "Titelbild". Die Seitenzahlen sind den Büchern entnommen, anders als vielfach üblich sind aber die zum Buch gehörenden Seiten zu Ende gezählt, auch wenn die Paginierung vor der letzten Seite oder vor dem Inhaltsverzeichnis endet.
Der Katalog der Sammlerin lässt über das Angebot im Internet hinaus eine Zuordnung der Bücher zu bestimmten Genres und Sprachen (inkl. Übersetzungen aus diesen) sowie eine chronologische Soriterung und eine Suche nach Stichwörtern im Titel bzw. nach bestimmten Illustratoren oder Verlagen zu. Entsprechende Recherchen können bei Bedarf vorgenommen werden. (Mail: stephkuehn@aol.com).

Ausstellungen

Die folgenden Ausstellungen wurden bisher aus der Sammlung zusammengestellt. Kataloge können (Mail: stephkuehn@aol.com) bezogen werden. Bei Interesse können auch die Ausstellungen zur Verfügung gestellt werden:
· Klassiker aus den Kinderzimmern Europas (Krefeld und Mönchengladbach 1993)
· Kindheitsträume eines Kollegiums. (Krefeld 1993)
· "Das Weib ist die schöpferische Pause des Mannes" Das Frauenbild des Nationalsozialismus im Spiegel
  von Kinder- und Jugendbüchern der Zeit. Mönchengladbach 1996.
· Als unser Land in den Kinderschuhen steckte: Die ersten zehn Jahre Kinderbuchproduktion in
  Nordrhein-Westfalen. (Mönchengladbach 1997 und Neuss 1998.)
· Das Kinderbuch erklärt den Krieg. Kinder- und Jugendliteratur im Umfeld des Ersten Weltkriegs (Münster
  1998 und Mönchengladbach 1999).
In Vorbereitung sind Ausstellungen über
· die Entwicklung des Kinder- und Jugendbuchs im 20. Jahrhundert
· das Bild der Antike im Kinder- und Jugendbuch
· die Jugendbuchillustratorin Lotte Oldenburg-Wittig.

Publikationen von Freya Stephan-Kühn in Zusammenhang mit der Sammlung

· Heute back' ich, morgen brau' ich.Märchenmenü bei der Rheinischen Kinderbuchgesellschaft, Volkacher
  Bote, Mitteilungsblatt der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, 24 (März 1987), S. 6/8.
· Interkulturelle Märchenküche, Gemeinsam leben, 1990.
· Nur ein Mädchen - Gedanken einer Schulleiterin über das Feminine im Schul- und Jugendbuch, Krefeld
  1991
· Ludus Latinus - ein lateinisches Kartenspiel aus dem Jahre 1509, Der Altsprachliche Unterricht 29 (1983),
  Heft 3, S. 75 - 87
· Matthias Ringmann( = Philesius Vogesigena) (1482-1511): Grammatica Figurata. Saint Dié 1509. In:
  Theodor Brüggemann (Hg.), Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur: Vom Beginn des Buchdrucks bis
  1570., Stuttgart (Metzler) 1987, Sp. 344-361
· Virtus ja - Mädchen nein? - Gedanken über das Feminine im Lateinunterricht. In: Jutta Stehling (Hg.') unter
  Mitwirkung von Jutta Maybaum-Fuhrmann und Marlene Müller, Frauen, Mädchen, Schule und Bildung,
  Soest 1992, S. 401-423.
· "Kinderliteratur zwischen Trümmern und Wohlstand" - Neue Materialien für den Geschichtsunterricht? in:
  Geschichte, Politik und ihre Didaktik (GPD) 24 (1996), H. 1/2, S. 32-43.
· Aber wir wollen dann schon sehen" Die Antike als Thema des Kinder- und Jugendbuchs, in: Geschichte in
  Wissenschaft und Unterricht (GWU) 47, 1996, Heft 7/8, S. 452-465.
· Nesthäkchen im Weltkrieg: Das Kinderbuch erklärt den Krieg, in: GPD 24, 1996, H. 3/4, S. 222-231
· Frauenleben im NS-Alltag im Spiegel der Kinder- und Jugendliteratur, GPD 25 (1997), H. 3/4, S. 244-252
· "Mach, daß unsre Truppen siegen, daß wir wieder schulfrei kriegen" Kinder- und Jugendliteratur als
  historische Quelle, in: Praxis Geschichte, H. 1, 1994, S. 34-38.
· Jugendbücher als Geschichtsbücher - Geschichtsbücher als Jugendbücher. Überlegungen und
  Anregungen einer Gratwanderin. in GPD 26(1998), H. 3/4, S. 200-207.
· "Die kühlen, durchdringenden Augen des geborenen Führers": Kinder- und Jugendliteratur als historische
  Quelle. in: Geschichte lernen 12, H. 71, September 1999, S. 58-61

Ausleihe

Sie können hier den Katalog der Kinderbuchsammlung durchsuchen. Finden Sie einen Titel, der Sie interessiert, haben Sie folgende Möglichkeiten der Bestellung:

- über die Fernleihe einer Bibliothek in Ihrer Nähe
- in der Stadtbibliothek Mönchengladbach (falls Sie hier in der Nähe wohnen)
- direkt bei der Sammlerin (Mail: stephkuehn@aol.com)

In allen drei Fällen ist es wichtig, genau anzugeben, welche Ausgabe Sie benötigen!

Suche nach:

Suchbegriff als Wort (Phrasensuche, um z. B. nicht "Preise" als Treffer bei der Suche nach "Reise" zu erhalten)
Bitte Groß- und Kleinschreibung beachten (vor allem bei Umlauten am Wortanfang)!

 
nach oben
©2013 Stadt Mönchengladbach, der Oberbürgermeister
Kontakt|Übersicht|Hilfe|Impressum|Branchen
Stadtrat & VerwaltungStartseiteÜbersichtSucheHilfeBeschwerdenImpressumKontaktHilfe