Rebecca Gablé

(Ingrid Krane-Müschen)
c/o Verlagsgruppe Lübbe
Postfach 20 01 80
51431 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 / 12 14 28
E-Mail: rebecca@gable.de
Biografie
Rebecca Gablé wurde 1964 in Wickrath geboren. Sie besuchte das Gymnasium an der Gartenstraße in Rheydt. Dem Abitur folgte 1984 eine Ausbildung zur Bankkauffrau. In diesem Beruf war sie tätig, bis sie sich 1990 zu einer völligen beruflichen Neuorientierung entschloss und 1991 ihr Studium der Literaturwissenschaft und Mediävistik in den Fächern Anglistik und Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf begann, wo sie drei Jahre als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Im Frühjahr 1996 schloss sie das Studium mit dem Magisterexamen ab.
Seither ist sie als freie Autorin und Literaturübersetzerin tätig und nimmt seit 1999 einen Lehrauftrag an der Heinrich-Heine-Universität in altenglischer Literatur wahr. Neben der Literatur gilt ihr Interesse der (mittelalterlichen) Geschichte, dem Theater und vor allem der Musik in fast jeder Erscheinungsform. Sie spielt Klavier und singt seit vielen Jahren in einer Band.
Rebecca Gablé und ihr Mann leben in Wickrath.
Die Autorin sagt über ihre Arbeit: "Ich kann mir keinen schöneren, spannenderen Beruf vorstellen. Wenn ich die Arbeit an einem Roman beginne, weiß ich zwar, um welche historische Epoche oder welches aktuelle Thema es gehen soll, habe vielleicht auch eine vage Vorstellung der Figurenkonstellation, aber was passieren wird, weiß ich nicht. Nur mit der ersten Szene im Kopf fange ich an, lasse die Geschichte laufen und bin oft selbst überrascht, wenn ich sehe, wo sie hinführt."
Neben Übersetzungen z. B. ins Niederländische, Italienische, Tschechische, Polnische, Spanische oder Koreanische wird seit 2011 an Übersetzungen ins Englische gearbeitet.
Bibliografie
Historische Romane
1997
Das Lächeln der Fortuna. Bergisch Gladbach ISBN 3-404-13917-8
2000
Das zweite Königreich. München ISBN 3-431-03584-1
2002
Der König der purpurnen Stadt. historischer Roman. München ISBN 3-431-03439-X
2003
Die Siedler von Catan. Bergisch Gladbach ISBN 3-431-03019-XHörbuch: Lübbe Audio, 6 CD's ISBN 3-7857-1325-8
2005
Die Hüter der Rose. Bergisch Gladbach ISBN 3-431-03635-X
2007
Das Spiel der Könige. Bergisch Gladbach ISBN 978-3-4310-3721-0
2009
Hiobs Brüder. Bergisch Gladbach ISBN 978-3-4310-3791-3
2011
Der dunkle Thron. München ISBN 978-3-431-03840-8
Kriminalromane
1995
Jagdfieber.
Bergisch Gladbach ISBN 3-404-19601-5
1996
Die Farben des Chamäleons.
Bergisch Gladbach ISBN 3-404-19606-6
1998
Das letzte Allegretto.
Bergisch Gladbach ISBN 3-404-13948-8
1999
Das Florians-Prinzip.
Bergisch Gladbach ISBN 3-404-14185-7
Sachbücher
2008
Von Ratlosen und Löwenherzen: Eine kurzweilige aber nützliche
Geschichte des englischen Mittelalters.
Ehrenwirth. ISBN 978-3-431037555
Preise
Rebecca Gable erhielt im Oktober 2006 in Schäbisch-Hall den mit 4000,- Euro dotierten Sir-Walter-Scott-Preis für ihren jüngsten Roman "Die Hüter der Rose".
Leseprobe
Ich bog in die Worringer Straße ein und betrat das Haus. Als ich an der Etagentür klingelte, ertönte fast augenblicklich der Summer, und ich ging rein. Im Büro war es dämmrig. Beate war nirgends zu entdecken.
"Wo steckst du?"
"Ich restauriere meine Erscheinung. Komme sofort. Nimm dir was zu trinken und laß die Finger von meinen Akten."
Die Tür zum Bad war verschlossen, ein dünner Lichtstreifen drang durch den unteren Spalt. Ich zögerte einen Augenblick, nahm mir dann was zu trinken und ließ die Finger nicht von ihren Akten. Bourbon war vermutlich keine sehr gute Idee, ich hatte richtigen Durst, aber es war außer süßem Sherry alles, was es gab. Ich nahm einen tiefen Zug, und mit dem Glas in der Hand stand ich vor einer Reihe von Ordnern und studierte die Aufschriften auf ihren Rücken. Hauptsächlich Daten, Monate und Jahreszahlen, von - bis. Der, den ich suchte, stand natürlich ganz am Ende, so ist das ja immer. Ich trank noch einen Schluck und warf einen nervösen Blick über die Schulter. Ich kannte sie nicht gut genug, um zu wissen, ob sie sich nur die Nase puderte oder komplett neu schminkte. Aber ich mußte es riskieren, eine bessere Gelegenheit würde sich nicht bieten. Ich zog den Ordner aus der Reihe, legte ihn auf ihrem Schreibtisch ab und schlug ihn auf. So geräuschlos wie möglich löste ich den Klemmverschluß und blätterte. Es vergingen zwei Minuten, drei, fünf. Ich hatte kein vernünftiges Licht, der Ordner enthielt hauptsächlich Durchschläge von Versicherungsanträgen, auf denen die Schrift nur schwach erkennbar war. Im Bad lief Wasser. Ich streckte die Hand aus, um die Schreibtischlampe einzuschalten, als mir das Glas aus der Linken rutschte und auf der Schreibtischplatte zerschellte. Winzige Splitter schlitterten über die aufgeschlagene Seite. "Scheiße..."
Ich wollte sie mit dem Ärmel runterfegen, aber mein Arm glitt ab und ich schnitt mir ordentlich in die Hand. Ungläubig, ziemlich dümmlich vermutlich, starrte ich auf das Rinnsal aus Blut.
"Nun, Mark? Hast du gefunden, was du suchst?"
Ich fuhr entsetzt zusammen, und mein Kopf wollte hochrucken, aber er konnte nicht. Es waberte vor meinen Augen. Statt einer blutenden Hand sah ich drei."Wie hast du mich genannt?"
Sie kam näher. Als sie direkt vor mir stand, konnte ich sie erkennen. Sie trug ein weißes Kleid, das um sie herum zu wallen schien, oder so kam es mir jedenfalls vor. Ihre Haare waren offen, ihre Lippen sehr dunkel geschminkt, und sie lächelte. Sie sah sehr schön aus. Und sie wirkte kein bißchen wütend. "Es ist doch gleich, wie du heißt".
Auf einen Schlag verkrampften sich meine Arme und Beine, alle Muskeln gleichzeitig. Ich fiel um und öffnete den Mund, um wie ein Berserker zu brüllen, weil es gräßlich weh tat und ich irgendwie jegliche Kontrolle über mich verloren hatte, aber ich brüllte nicht, weil ich nicht mal mehr das konnte. Dann ließen die Krämpfe nach, so plötzlich, wie sie gekommen waren. Ich blieb einen Moment liegen, in Schweiß gebadet, ich war total fertig. Langsam richtete ich mich auf, kniete am Boden und wollte mich an ihrer Schreibtischkante hochhangeln. "Was ... ist das?"
"Nitrostigmin", sagte sie leise.
Ich schüttelte den Kopf. Das sagte mir nichts.
Sie hockte sich zu mir runter, legte einen Finger unter mein Kinn und hob meinen Kopf an. "Besser bekannt als E605. Ein ordentlicher Schuß in die Bourbon-Flasche, und schon ist alles geritzt. Seltsames Zeug, weißt du. Es riecht furchtbar, aber wenn man's auflöst, hat es anscheinend keinerlei Geschmack."
Seit ein paar Sekunden fiel mir das Atmen schwer. Jetzt ging es auf einmal überhaupt nicht mehr. Meine Hand fuhr an meine Kehle, ich kippte wieder um und rang nach Luft. Winzige Mengen quälten sich in meine Lungen, es war, als versuchten sie, ein völlig fremdes Element zu atmen.
Sie stand wieder auf. "Ja, Ja. Im Grunde bist du schon tot, weißt du. Du röchelst noch, und du fühlst noch, hörst, siehst, aber trotzdem. Es arbeitet sich durch deine Blutbahn ins Gehirn vor, und dann macht es sich über dein zentrales Nervensystem her. Nichts wird mehr funktionieren. Irgendwann werden deine Lungen sich mit Wasser füllen und du erstickst. Wenn dir genug Zeit bleibt, verlierst du vorher den Verstand..."
(aus: Das Florians-Prinzip : Thriller, erschienen im Bastei-Verlag Lübbe in Bergisch-Gladbach, 1999, S. 294-296)
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